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Biogas aus Wildpflanzen

Zukunft der Biogasbranche – Förderung mehrjähriger Wildpflanzen über die EEG-Umlage

Ist Biogas ein Problem, oder ein Teil der Lösung? Und wie sieht die Zukunft der Branche aus? Diese und andere Fragen diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis im Rahmen eines Parlamentarischen Experten-Webinars, ausgerichtet von den FL(EX)PERTEN, einem Netzwerk zur Flexibilisierung des Biogasmarkts.

Fest steht: Unser „Energiehunger“ wird in absehbarer Zukunft nicht abnehmen und durch den Kohle- und Atomausstieg bedarf es erneuerbarer Energiequellen. Für eine dezentrale und im Gegensatz zu Wind- und Solarkraft wetterunabhängigen Energiebereitstellung hat die Biogasnutzung eine tragende Rolle. Aktuell werden rund 12 % der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen über Biogas geleistet. Wie sich die Biogasnutzung in Zukunft entwickelt, hängt maßgeblich davon ab, welchen Rahmen die Politik vorgibt, noch in diesem Herbst soll die große EEG-Novelle kommen.

Durch die Nutzung alternativer, ökologisch wertiger Energiepflanzen wie etwa mehrjährigen heimischen Wildpflanzenmischungen kann die Energieerzeugung mit dem Arten- und Naturschutz versöhnt werden. Jedoch bedarf es Förderinstrumenten, um solch ökologisch wertige Substrate, die weniger Ertrag als Mais oder andere herkömmliche Biomassekulturen liefern, in größerem Rahmen auf den Acker zu bringen. Pilotprojekte, wie etwa Bunte Biomasse, können hier nur Brücken bauen. Langfristig wäre etwa eine Förderung über die EEG Umlage eine Möglichkeit.

Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung hat im Rahmen des Fl(ex)pertenforums die Wildpflanzenmischungen als Substrat zur Biogaserzeugung in einem kurzen Video vorgestellt (einfach auf diesen Link klicken).

Stickstofffixierung durch Wildpflanzen - Gewässerschutz

Gewässerschutz mit mehrjährigen Wildpflanzen

Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe präsentiert in einer neuen Broschüre vielfältige Forschungsergebnisse zum Gewässerschutz mit nachwachsenden Rohstoffen, wie etwa mehrjährigen Wildpflanzen.

Mit der im März beschlossenen neuen Düngeverordnung steigen die Anforderungen an die Landwirtschaft, den Gewässerschutz in der Praxis zu optimieren. Lösungsansätze und detaillierte Informationen dafür liefert die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) mit der Neuauflage der Broschüre „Gewässerschutz mit nachwachsenden Rohstoffen“. Sie präsentiert vielfältige Ergebnisse zum Gewässerschutz im Energiepflanzenanbau aus Forschungsprojekten, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert hat. Dabei wird nicht nur die Reduktionswirkung der einzelnen Maßnahmen im Hinblick auf Nährstoffverluste verglichen, sondern der Leser findet auch viele Aussagen zu Erträgen und Wirtschaftlichkeit.

Die Broschüre stellt diverse Ansätze vor, Stickstoff- und Phosphor-Verluste zu reduzieren. Einige Konzepte wie der Anbau von Zwischenfrüchten und Untersaaten oder die Anpassung von Düngegaben sind nicht neu, interessant sind aber die Werte, die in Versuchen zu diesen Ansätzen ermittelt wurden. Auf Standorten, die langjährig mit organischen Düngern, zum Beispiel mit Gärresten, behandelt wurden, besteht häufig Spielraum für eine Reduzierung der Düngegaben, denn solche Böden weisen in der Vegetationszeit eine hohe Stickstoff-Nachlieferung auf.

Neue Kapitel: Dauerkulturen und Wildpflanzen

Noch mehr Platz als in der ersten Auflage räumt die Broschüre den Dauerkulturen ein: Silphie, Riesenweizengras und Wildpflanzenmischungen haben ihre Eignung für den Boden- und Gewässerschutz in Versuchen unter Beweis gestellt, wie etwa in einem mehrjährigen Monitoring zur Nährstofffixierung in Niedersachsen. Und auch in der Praxis finden die mehrjährigen Wildpflanzen bereits Anwendung im Gewässerschutz, wie etwa in Bayern. Als nach der Ernte weiterwachsende Kultur, die den Boden über Winter bedeckt, sind sie prädestiniert für diese Aufgaben. Auf den Wildpflanzenflächen finden Insekten und andere Wildtiere darüber hinaus reichlich Nahrung und Deckung. Eine Aufnahme in Agrarumweltprogramme oder andere Fördermaßnahmen könnte diesem innovativen Anbausystem zum Durchbruch verhelfen.

Die Neuauflage enthält auch zwei Kapitel, die sich mit dem Gewässerschutz auf der Biogasanlage selbst und mit der Vermarktung der Gärreste beschäftigen. Sie stellen ein wirtschaftliches Verfahren zur Behandlung von organisch belastetem Oberflächenwasser auf Biogasanlagen vor und geben Tipps zum richtigen Marketing bei der Abgabe von Gärrestdüngern außerhalb der Landwirtschaft.

Die Broschüre „Gewässerschutz mit nachwachsenden Rohstoffen“ sowie der Abschlussbericht zur Nährstofffixierung durch mehrjährige Wildpflanzen stehen hier als Download zur Verfügung.

Den kompletten Artikel aus der  topagrar finden Sie hier.

Schmetterlinge - Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus)

Bunte Biomasse kann Schmetterlingen helfen

In Deutschland leben rund 3.700 verschiedene Schmetterlinge. Nach Auskunft des Bundesamtes für Naturschutz in Bonn sind mindestens 60 Schmetterlingsarten bereits ausgestorben, 494 weitere seien vom Aussterben bedroht oder unterschiedlich stark gefährdet. „Selbst viele Allerweltsarten wie zum Beispiel das Tagpfauenauge oder die Kohlweißlinge sind im Bestand merkbar rückläufig“, sagte Andreas Segerer, stellvertretender Direktor der Zoologischen Staatssammlung München, der Deutschen Presse-Agentur. Und auch andere früher häufige Arten wie der Hauhechel-Bläuling (s. Beitragsbild, Foto: M.Tetzlaff) nehmen vielerorts ab.

Die Ursachen sind laut Experten unter anderem der Klimawandel und die damit verbundenen langen Dürresommer und Hitze sowie die intensive Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden und Düngern. Zudem werde der Lebensraum der Tiere immer kleiner. Schmetterlinge bräuchten nährstoffarme, offene und blütenreiche Landschaften und lichte, naturnahe Wälder, sagte Segerer. Doch solche Biotope gebe es fast nur noch in Schutzgebieten.“Diese sind aus der Vogelperspektive nur noch winzige Inseln inmitten einer für alle Arten lebensfeindlichen Agrar- und Betonwüste“, sagte Segerer. Ein Beispiel ist laut Segerer das Naturschutzgebiet im Donautal in Regensburg. Dort würden seit mehr als 200 Jahren Daten über Schmetterlinge gesammelt. 39 Prozent von mehr als 120 Arten seien dort mittlerweile verschwunden, etwa die Hälfte davon allein in den letzten 20 Jahren. „Das zeigt die Dynamik besonders dramatisch.“

Doch es gibt auch Möglichkeiten, die bedrohten Falter auch außerhalb von Schutzgebieten zu schützen.Um auf großer Fläche etwas zu bewirken, braucht es produktionsintegrierte Lösungen auf der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Denn rund die Hälfte der Fläche Deutschlands wird landwirtschaftlich genutzt. Der Anbau mehrjähriger Saatmischungen aus Wild- und Kulturarten zur Biomasseproduktion ermöglicht genau diesen Zweiklang aus Ökologie und Ökonomie. Auf den Flächen kann zum Einen Biomasse zur Verwertung in der Biogasanlage produziert, zum Anderen aber auch ein wertvoller Lebensraum für Insekten und Wildtiere geschaffen werden. Denn die mehrjährigen Wildpflanzen bieten laut Untersuchungen nicht nur den Schmetterlingen, sondern auch vielen weiteren Insektengruppen ein reichhaltiges und lang anhaltendes Blühangebot, sondern bieten auch zahlreichen Wildtieren ganzjährig Deckung und Nahrung. Gleichzeitig liefern sie ordentliche Biomasseerträge und liefern eine wirklich nachhaltige, erneuerbare Energie.

Den kompletten Artikel zum Verschwinden der Schmetterlinge auf ZEIT ONLINE finden Sie hier.

Ministerin Otte Kinast lobt Wildpflanzen-Projekt

Ministerin Otte-Kinast lobt Wildpflanzen-Projekt: Chance für Artenvielfalt, Grundwasserschutz und Bodenqualität

Große Chance für Artenvielfalt, Grundwasserschutz und Bodenqualität: Der Anbau von Wildpflanzen als Alternativkultur zum Mais für die energetische Nutzung in der Biogasanlage bietet nicht nur einen hohen ökologischen Mehrwert für die heimische Tierwelt, sondern zeigt auch positive Effekte auf die Grundwasserqualität. Zu diesem Ergebnis kommt das Forschungsprojekt „Nährstofffixierung mehrjähriger Wildpflanzen auf Praxisflächen in Niedersachsen“.  Die Landesjägerschaft Niedersachsen präsentierte die Abschlussergebnisse dieses Forschungsprojektes der Niedersächsischen Landwirtschaftsministerin, Barbara Otte-Kinast, heute in Syke.

„Das sind sehr vielversprechende Ergebnisse. Neben der Steigerung der Artenvielfalt, ist die Vermeidung von Stickstoffausträgen im Boden ein weiterer positiver Effekt, der für den Anbau dieser Wildpflanzenmischungen spricht,“ zeigte sich Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast erfreut. „Die Ergebnisse unserer beiden gemeinsamen Forschungsprojekte können innovative Ansätze für ein Gesamtkonzept zum Wohle von Artenvielfalt, Grundwasserschutzes und Bodenqualität liefern – dafür bin ich der Landesjägerschaft Niedersachsen sehr dankbar“, so die Ministerin weiter.

Verteilt auf neun Versuchsflächen im Raum Lingen, Syke, Bruchhausen-Vilsen und Wiefelstede, wurden in den Jahren 2017 bis Ende 2019 auf rund 25 ha Praxisfläche die Nährstoffgehalte im Boden, im Erntegut und in der Wurzelmasse untersucht. Unter anderem wurden in regelmäßigem Turnus Nmin-Messungen durchgeführt in die sowohl mehrjährig etablierte Wildpflanzenbestände als auch neu angelegte Flächen einbezogen wurden. Zu verschiedenen Zeiten der Vegetationsperiode stand dabei die Nährstoffausnutzung – insbesondere Nitrat – im Fokus, um deren Potenzial zur Stickstoffbindung zu ergründen. Mehrjährige Wildpflanzen, so eine der Kernaussage der Ergebnisse, setzten die zur Eigenversorgung benötigten moderaten Nährstoffmengen vollständig in Biomasse um und entzogen darüber hinaus dem Boden bis zum Vegetationsende Nitrat, was für eine verbesserte Qualität des Grundwassers sorgt.

„Wir sind von den Potenzialen der mehrjährigen Wildpflanzen absolut überzeugt: Sie fördern die Artenvielfalt und führen zu einer ökologischen Aufwertung der Feldflur – darüber hinaus sind sie in der Lage die Grundwasserqualität zu steigern“, so Josef Schröer, Stellvertretender Präsident der Landesjägerschaft Niedersachen. Um den Anbau dieser Dauerkulturen in Niedersachsen großräumiger zu etablieren, seien nun politischer Wille und finanzielle Förderanreize notwendig: „Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität und zur Reduzierung der Nährstoffausträge sind drängende aktuelle Fragen. Ein sehr vielversprechender Ansatz dabei kann der Anbau von Wildpflanzen zur Energiegewinnung sein“, so Schröer weiter.

Ergänzend zu den regelmäßigen Nmin-Beprobungen wurden in den Jahren 2018 und 2019 zudem Nitrattiefenprofile erstellt. Hierdurch konnten Auskünfte über die Nitratüberschüsse der vergangenen Jahre gewonnen werden – auch hier zeigte sich ein deutlicher Effekt: In Bodenschichten bis 90 cm Tiefe ohne Wildpflanzenanbau wurden durchschnittlich 127 mg Nitrat/l im Bodenwasser gemessen, wohingegen dieser Wert auf Flächen mit Wildpflanzenanbau mit 42 mg Nitrat/l deutlich niedriger lag. Auch ließ sich feststellen, dass unter Flächen, die mit mehrjährigen Wildpflanzen bestellt sind, keine Nitratverlagerung in tiefere Bodenschichten erfolgt. „Die Ergebnisse der Untersuchung geben deutliche Hinweise darauf, dass der Anbau von Wildpflanzen unter dem derzeit praktizierten Düngeregime zu einer Reduktion der Nitratausträge in das Grundwasser gegenüber der herkömmlichen Bewirtschaftung führt“, resümiert Andreas Rohde, vom Büro Ingenieurgemeinschaft für Landwirtschaft und Umwelt (IGLU), das mit Auswertung der Nitratflächenprofile beauftragt war.

Der Anbau von Wildpflanzen verbessert die Biodiversität auf landwirtschaftlichen Nutzflächen durch die mehrjährige Vielfalt an Pflanzenarten. Mit ihren unterschiedlichen Blühzeitpunkten bieten sie fast während der gesamten Vegetationsperiode Insekten, Bienen, Feldvögeln und anderen Wildtieren einen dauerhaften Lebens-, Nahrungs- und Rückzugsraum – und sorgen für eine dauerhafte Flächenbegrünung – ein deutlicher Vorteil gegenüber Mais. Bei der Beerntung bieten die Methanerträge allerdings je Hektar ein niedrigeres Ertragsniveau im Vergleich zur Maissilage. Dass es in Anbetracht des ökologischen Mehrwerts sinnvoll ist hier eine Ausgleichsregelung zu schaffen, verdeutlicht 3N-Geschäftsführerin Dr. Marie-Luise Rottmann-Meyer an einem praktischen Rechenbeispiel: „Bereits 1 ha Wildpflanzen liefert ein Jahr lang den Strom für fast zweieinhalb 4-Personen-Haushalte“.

Beim Ansatz, Wildpflanzen zur Energiegewinnung wissenschaftlich zu fundieren und deren Chancen und Potenziale transparent zu machen, ist Niedersachsen bundesweit führend: In einem ersten gemeinsamen Projekt der Landesjägerschaft Niedersachsen und dem Land Niedersachsen in Kooperation mit dem 3N Kompetenzzentrum Niedersachsen Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie e.V und dem Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover wurden in den Jahren 2013 bis 2016 bereits die ökologischen und ökonomischen Effekte des Anbaus von Wildpflanzen zur Energiegewinnung untersucht. Beide Projekte wurden mit je 150.000 € mit Mitteln des Landes Niedersachsen finanziell gefördert. Intensiv ackerbaulich betreut werden die Wildpflanzenflächen von Dipl. Ing. Agrar Johann Högemann aus der Jägerschaft Lingen e.V.

Den Abschlussbericht des Forschungsprojekts finden Sie hier

Die Ergebnisse untermauern das hohe Potenzial der Wildplfanzenmischungen für den Grundwasser- und Bodenschutz. Im Rahmen des Projektes Bunte Biomasse, das deutschlandweit den Anbau von Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion voranbringt, wurde mit der Gemeinde Rimpar in Bayern bereits eine Kooperation gestartet, um die Wasserqualität zweier Brunnen zu verbessern. Dieses Beispiel könnte nun deutschlandweit, nicht nur in Regionen mit hoher Viehdichte oder in Wasserschutzgebieten, Nachahmer finden.

 

Wildpflanzenprojekt Rhön-Grabfeld hilft Wildbienen

Wildpflanzen zur Biogasproduktion helfen Wildbienen

Konventionelle Landwirtschaft kann in kürzester Zeit zur Artenvielfalt beitragen. Das zeigen Ergebnisse des „Wildpflanzenprojektes Rhön-Grabfeld“, das 2017 vom Bauernverband und der Firma Agrokraft gestartet wurde und seit 2019 auch vom Bayerischen Naturschutzfonds finanziell unterstützt und begleitet wird. Durch das Projekt werden Flächen zur Biogasproduktion, die normalerweise mit Mais bestellt werden, durch eine artenreiche Blühmischung, den „Veitshöchheimer Hanfmix“, ökologisch aufgewertet. Der Hanfmix besteht aus 30 Pflanzenarten und kann nach der Aussaat fünf bis acht Jahre stehen und beerntet werden.

Die Mischung bringt zwar weniger Methanertrag als Mais, hat aber zahlreiche ökologische Vorteile. Vergangenes Jahr wurde überprüft, ob und wie die Blühflächen von der Tierwelt angenommen werden. Was gefunden wurde, „hat alle umgehauen“, berichtet Projektleiterin Michaela Stäblein. So landeten 7734 Wildbienen in der Falle, 124 Arten wurden gezählt, darunter auch zwei, die auf der Roten Liste stehen. In vorigen Untersuchungen wurde auch die in der Roten Liste geführte Zweizellige Sandbiene (Andrena lagopus) auf den Flächen nachgewiesen. Und zwar häufiger (insgesamt entdeckten die Experten 10 Individuen), als in allen vorhergehenden Untersuchungen in Franken. Hinzu kamen zahlreiche andere Insekten und Vogelarten. Die Flächen wirken laut der an den Untersuchungen beteiligten Experten wie Magneten auf Insekten und Vögel. Michaela Stäblein präsentierte in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses die Ergebnisse der Insektenzählung.

Aktuell bauen 40 konventionell arbeitende Landwirte auf rund 100 Hektar den Veitshöchheimer Hanfmix an und beliefern mit den Ernteerträgen fünf Gemeinschaftsbiogasanlagen in Rhön-Grabfeld. Dadurch ist es den Landwirten in kürzester Zeit gelungen, Lebensräume für die bedrohten Wildbienen und viele weitere Bewohner der Feldflur zu schaffen. Nicht zu unterschätzen ist auch der Beitrag der Flächen zum Bodenschutz und zur Wassersicherung. Denn die Wildpflanzen bedecken den Boden ganzjährig, lockern ihn mit ihren Wurzeln auf und schützen ihn vor Erosion und Austrocknung.

Einen Ausgleich für den Minderertrag erhalten die teilnehmenden Landwirte während der dreijährigen Projektphase aus Mitteln des Bayerischen Naturschutzfonds. Damit die Finanzierung der artenreichen Blühflächen auch nach Projektende gesichert ist, wollen die Organisatoren versuchen, die Projektidee im Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) des Landes Bayern zu integrieren.

Landrat Thomas Habermann zeigte sich beeindruckt von dem Engagement der Landwirte und den Ergebnissen der Untersuchungen. Seiner Ansicht nach sollte man versuchen viel mehr Blühflächen im Landkreis anzulegen und „sie wie ein Raster über die Landschaft zu legen“.

Den kompletten Artikel können Sie hier finden

https://www.youtube.com/watch?v=L4ubx55gFsk

Bunte Biomasse (Foto: C.Kemnade)

Bunte Biomasse – Anbausystem mit Zukunft

Das Kooperationsprojekt „Bunte Biomasse – Ressource für Artenschutz und Landwirtschaft“ der Veolia Stiftung, des Deutschen Jagdverbandes e.V. und der Deutschen Wildtier Stiftung zieht eine überaus positive Bilanz des ersten Projektjahres: Deutschlandweit wurden 2019 bereits über 120 ha mehrjährige Wildpflanzenmischungen zur Biomassenutzung neu etabliert.

„Da das Projekt erst im Frühjahr und damit mitten in der Anbauphase gestartet ist, haben wir mit einer so großen Nachfrage von Landwirten nicht gerechnet“, sagt Dr. Andreas Kinser, stellvertretender Leiter Natur und Artenschutz bei der Deutschen Wildtier Stiftung.

Gleichzeitig wurden bereits über 80.000 Euro an Kofinanzierungsmitteln eingeworben, die gemeinsam mit den Projektmitteln zur Honorierung der teilnehmenden Landwirte eingesetzt werden. „Sowohl die Anzahl der bereits jetzt teilnehmenden Betriebe als auch die Höhe der zugesagten Kofinanzierungsmittel zeigen uns, dass Bunte Biomasse ein Anbausystem mit Zukunft ist“, so Kinser weiter. Als Kofinanzierer konnten bereits mehrere Jagd- und Fachverbände sowie Verwaltungen und Privatpersonen überzeugt werden.

Durch das Kooperationsprojekt Bunte Biomasse soll das Anbausystem von mehrjährigen Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion in der landwirtschaftlichen Praxis verankert werden.

Die Vorteile von Bunter Biomasse im Vergleich zu konventionellen Biomassepflanzen wie Mais sind vielfältig: Die Kulturen aus bis zu 25 verschiedenen Wildpflanzenarten bieten ganzjährig Lebensraum für Insekten, Agrarvögel und Wintergäste und die ganzjährige Bewurzelung des Oberbodens verbessert die Humusbilanz und vermindert Erosion. Mehrjährige Wildpflanzenkulturen bieten außerdem ein hohes Potential zur Stickstoffbindung und helfen dadurch beim Grundwasserschutz. „Die Verknüpfung von Arten- und Ressourcenschutz sind ein überzeugendes Argument für das Anbausystem Bunte Biomasse“, so Sylke Freudenthal vom Vorstand der Veolia Stiftung.

Doch auch ökonomisch sind mehrjährige Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion attraktiv. „2019 haben einige Betriebe trotz schwieriger Bedingungen über 40 t Frischmasse des Aufwuchses mehrjähriger Wildpflanzenmischungen geerntet,“ sagt Johann Högemann, der im Auftrag der Kooperationspartner die teilnehmende Landwirte im Projekt Bunte Biomasse kostenlos bei der Etablierung der Bestände und der Ernte des Aufwuchses berät.

„Je nach Standortgüte können Erträge von 9 bis 14 t Trockenmasse je Hektar bei einer Gasausbeute von etwa 65 Prozent gegenüber Mais erzielt werden“, so Högemann weiter. Da die einmal etablierten, mehrjährigen Wildpflanzenbestände bis zu fünf Jahre lang geerntet werden können, sind die Produktionskosten im Vergleich zu einjährigen Biomassepflanzen wie Mais deutlich geringer.

Um Bunte Biomasse zukünftig als einen festen Bestandteil in der landwirtschaftlichen Praxis zu etablieren, braucht es jedoch einen zusätzlichen Anreiz. Ein guter Weg wäre dabei die Einbindung des Anbausystems in die Agrarumweltmaßnahmen der Länder.

Den kompletten Artikel finden Sie hier

Blühende Bioenergie Dorsten

Kooperationsprojekt gestartet – Blühende Bioenergie Dorsten

Blühende Bioenergie Dorsten heißt das Kooperationsprojekt, das von der Firma ODAS, der Stadt Dorsten und der Wirtschaftsförderung WINDOR vereinbart wurde. Ziel ist, den Anbau von Mais für Biogasanlagen teilweise durch Wildpflanzen zu ersetzen, um so die biologische Vielfalt zu fördern, Lebensräume zu schaffen und den Boden- und Gewässerschutz zu verbessern.

Das Projekt ist im Mai gestartet und zunächst auf vier Jahre angelegt. Das landwirtschaftlich geprägte Logistik-Unternehmen ODAS hat Landwirte als Partner gewonnen, organisiert über sie Flächen und den Anbau von Wildpflanzen, nimmt nach der Ernte auch die Biomasse ab und verarbeitet diese. Die Stadt Dorsten übernimmt die strukturelle Organisation des Projekts und WINDOR engagiert sich finanziell mit einer „Anschubhilfe“ (unter anderem, weil die Wildpflanzen weniger Ertrag für die Landwirte bringen als Mais).

Mehr Vielfalt in der Landwirtschaft – das ist allen Beteiligten ein großes Anliegen. Denn die Feldflur ist still geworden, da die Verluste an biologischer Vielfalt dramatische Ausmaße angenommen haben. Vom Artensterben betroffen sind neben Wildbienen, Schmetterlingen und vielen anderen Insekten vor allem Feldvögel. Kiebitz, Grauammer oder Feldlerche sind vielerorts verstummt, die Zahl der Rebhühner ist europaweit seit 1980 um über 90 % eingebrochen. Der Kiebitz als früherer Allerweltsvogel hat weit über 50 % seiner Population verloren. Diese Verlustrechnung in der Feldflur lässt sich an vielen anderen Arten weiter fortführen.

Mit dem Kooperationsprojekt Blühende Bioenergie Dorsten werden Flächen für die Biogasproduktion angelegt, die nicht mit dem höchst rentablen Mais bepflanzt sind. Durch ertragreiche, mehrjährige Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion kann der Mais anteilig ersetzt werden. Die Flächen bieten Bodenbrütern im Frühjahr Nistmöglichkeiten und das langanhaltende und vielfältige Blütenangebot verbessert die Nahrungsressourcen für Bienen und Schmetterlinge, wovon wiederum viele Vogel- und Fledermausarten profitieren. Durch den Anbau erfolgt eine Reduzierung der Stickstoffausträge und durch die mehrjährige Kulturführung wird bodenschonend gearbeitet. Gleichzeitig produzieren ertragreiche Wildpflanzenmischungen bis zu 40 Tonnen Frischmasse je Hektar, die bei einer einmaligen Investition im Etablierungsjahr jährlich geerntet werden können. Natürlich sind die wirtschaftlichen Erträge im Vergleich zum konventionellen Maisanbau geringer und somit ist eine Kompensationszahlung wichtig, um diesen Anbau in der Landnutzung zu etablieren. Dabei konnte auf mehrjährige Anbauversuche u. a. im Forschungsprojekt „GrünSchatz“ zurückgegriffen werden.

Das Projekt soll einen bedeutenden Beitrag dazu leisten, den Anbau von pflanzlicher Biomasse als Substrat für Biogasanlagen enger an den Natur- und Artenschutz zu koppeln. Es ist höchst erfreulich, dass praktizierende Landwirte sich an das Projekt anschließen und den Maisanbau teilweise durch mehrjährige Wildpflanzenkulturen ersetzen wollen. Die Landwirte erhalten über das Projekt einen Ausgleich für Deckungsbeitragsverluste und werden kostenlos beim Anbau der Bestände und der Ernte des Aufwuchses beraten.

INFO:

Das Projekt ist in diesem Jahr zunächst mit wenigen Landwirten gestartet. Die Kooperationspartner sind jetzt schon auf der Suche nach weiteren Landwirten, die im nächsten Jahr als Partner mit in das Projekt einsteigen wollen. Ziel ist, zu den bisherigen Anbauflächen für Wildenergie weitere 50 Hektar zu gewinnen.

Weitere Informationen finden Sie hier

Wildpflanzen zur Biogasproduktion

Aus Wildpflanzen wird Biogas

Zwei Landwirte und der Hegering Wiefelstede haben zusammen ein ammerlandweites Pilotprojekt gestartet. Im vergangenen Jahr wurde auf jeweils einem Feld von Dennis Schellstede und Hauke Helmers eine fünfjährige Blühmischung aus mehrjährigen Wildpflanzen ausgesät. Das Erntegut wird in diesem Jahr für die Verwertung in einer Biogasanlage genutzt.

„Wir können schon jetzt sagen, dass Wildpflanzen als Anbaumasse für Biogasanlagen viele Vorteile mit sich bringen“, erklärt Michael Sander, Hegeringleiter in Wiefelstede. Die 22 verschiedenen Pflanzen, darunter Klee, Färberkamille, Malve und Rainfarn, bedecken den Boden – im Gegensatz zu Mais oder Getreide – auch in den kälteren Jahreszeiten. „Da entwickelt sich über die Jahre eine Eigendynamik und jedes Jahr gibt es neue Pflanzen. Die Fläche blüht immer wieder aufs Neue“, so Sander.

Ausgeprägte Stickstoff-Bindung

Daneben bietet die bunt blühende Fläche Lebensraum für verschiedene Tiere wie Insekten und Niederwild und die mehrjährige Bewirtschaftung schont den Boden. Von der LUFA Nord-West in Hameln hat der Hegering Wiefelstede Bodenproben aus unterschiedlichen Tiefen untersuchen lassen. Dabei konnte laut Sander bereits herausgefunden werden, dass die Wildpflanzen mehr Stickstoff aufnehmen als beispielsweise Mais und somit zum Grundwasserschutz beitragen.

Förderung für Wildpflanzen fehlt

Einen Nachteil gibt es jedoch: Der Ertrag der Wildpflanzen reicht nicht ganz an die Energieausbeute von Mais und Getreide heran. Finanzielle Unterstützung bekommen die Landwirte und der Hegering daher von der Bingo-Umweltstiftung, dem 3N Kompetenzzentrum Niedersachsen und der Landesjägerschaft Niedersachsen. Doch Michael Sander wünscht sich noch mehr Aufmerksamkeit seitens der Politik: „Wirkliche Fördermaßnahmen gibt es für dieses Projekt noch nicht. Die Mühlen mahlen langsam. Zwar finden wir von allen Seiten Zuspruch, es fehlt aber noch die Unterstützung.“

Den vollständigen Artikel auf NWZonline.de finden Sie hier.

Stadtwerke Lünen lassen ab 2019 die EnergieBiene fliegen

Nach den Stadtwerken Nürtingen mit ihrem Projekt „Bienenstrom“ setzen ab 2019 auch die Stadtwerke Lünen bei der Produktion von Ökostrom auf Wildpflanzen. Mit ihrem Umweltprojekt „SWL-EnergieBiene“ leisten sie nicht nur einen wichtigen Beitrag für die Energiewende, sondern verwandeln Teile der Lippestadt in blütenreiche Lebensräume für Insekten.

Auf zwei bis drei Demonstrationsflächen werden in Lünen ab 2019 Wildpflanzen angebaut, geerntet und ihr Aufwuchs in der Biogasanlage der Stadtwerke-Tochter Bioenergie GmbH & Co. Kg vergärt. Die umweltfreundlich erzeugte Energie wird direkt in das örtliche Versorgungsnetz eingespeist. Die Demonstrationsflächen von EnergieBiene dienen im ersten Jahr dazu, interessierten Kunden und Bürgern ein Bild davon zu vermitteln, was das Projekt für die Natur und Umgebung in Lünen bedeutet. Nach der Getreideernte im Sommer 2019 wird die Etablierung (Vorbereitung und Aussaat) der Flächen für 2020 erfolgen. In den nächsten fünf Jahren sollen insgesamt auf rund 100 Hektar ertragreiche Wildpflanzen als Energiepflanzen angebaut werden. Möglich wird dieses Ziel durch kompetente Landwirte, die die Wildpflanzen-Mischungen auf ihren Ackerflächen ansäen, bewirtschaften und ernten. Sie sind ein zentraler Baustein des Projekts.

Entscheidend für den Erfolg des Projekts sind vor allem die Abnehmer, also die Strom- und Gaskunden. Mit einem Jahresbeitrag von 12 Euro kann man sich am Projekt beteiligen und nicht nur zu einem schöneren Stadtbild beitragen, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Insektenfauna rund um Lünen leisten.

Einen Artikel in den Ruhrnachrichten über das Projekt EnergieBiene finden Sie hier.

Wildpflanzen Biomasse Energie

Biogas aus Wildpflanzen macht Landwirte zu Natur- und Artenschützern

(noz.de vom 30.6.18) Auf einer rund fünf Hektar großen Ackerfläche des Landwirts Josef Schröer aus Lingen-Mundersum blüht es farbenfroh und es summt lebendig: Die mehrjährigen Stauden aus einer regionalen Saatmischung locken Bienen, Schmetterlinge und Insekten an und bieten Feldlerchen, Rebhühnern und anderen Feldvögeln und Niederwild Deckung und Nahrung. Ganz nebenbei wird auf dem Feld auch Biomasse zur Stromerzeugung produziert: Biogas aus Wildpflanzen! Diesen Spagat schafft das Projekt „Energie aus Wildpflanzen“, das die Jägerschaft Lingen im Emsland in enger Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und dem „Netzwerk Lebensraum Flur“ umsetzt. Die Naturschutzstiftung Emsland nutzte jetzt die Möglichkeit, sich bei einer Feldbegehung über das System „Biogas aus Wildpflanzen“ von Landwirt Josef Schröer, der auch stellvertretender Präsident der Landesjägerschaft Niedersachsen ist, in der Praxis zu informieren.

Etwa Ende Juli wird die landwirtschaftlich genutzte und auch gedüngte Fläche abgeerntet und die Wildpflanzen werden für die Biogaserzeugung einsiliert. Ein dann folgender zweiter immergüner Aufwuchs ermöglicht den Wildtieren auch im Winter eine Rückzugs- und Äsungsfläche. So gelingt es den Akteuren des Projekts „Energie aus Wildpflanzen“, für Landwirte als Anbauer einer reichlich blühenden ökologischen Vielfalt auch einen ökonomischen Beitrag zu leisten. Josef Schröer erläuterte, dass im Rahmen des Projekts derzeit außerdem untersucht wird, ob die Wildpflanzenmischung auch einen positiven Effekt auf den Gewässerschutz hat. Am 20. Juli erwarte man in Lingen-Mundersum zudem die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast, der man anhand der bisherigen Projektergebnisse die Erfolge von Biogas aus Wildpflanzen für den Arten-, Natur- und Umweltschutz darlegen möchte.

Den vollständigen Artikel auf noz.de finden Sie hier.