Wie wirken sich die mehrjährigen Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion auf die Insektenwelt aus?

Aufgrund der Artenvielfalt der Saatmischungen, der Mehrjährigkeit und dem Verzicht auf Anwendung von Insektiziden bilden die Wildpflanzenmischungen einen attraktiven Lebensraum für Insekten. Durch das breite Artenspektrum der angepflanzten Wildpflanzen – die gängigen Mischungen bestehen meist aus über 20 heimischen Arten – ist ein sehr lang anhaltendes und vielfältiges Blühangebot und damit ein breites Nahrungsangebot für viele Insekten gegeben. Aber auch zur Fortpflanzung sind die Flächen für viele Insektengruppen geeignet. Im Folgenden eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Untersuchungen.

Die Tagfalter sind ökologisch und ökonomisch nicht nur als Bestäuber von Bedeutung, sondern gelten aufgrund ihrer Sensitivität gegenüber Umwelteinflüssen auch als wichtige Indikatorarten. Sie zeigen also potenziell schädliche Entwicklungen bereits früh an. Viele Tagfalter haben in Deutschland in den letzten Jahren und Jahrzehnten stark abgenommen, sogar Allerweltsarten wie der Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus).

Hauhechel Bläuling auf Widlpflanzenacker zur BiomasseproduktionDurch wissenschaftliche Untersuchungen im Rahmen des GrünSchatz Projektes der Universität Münster wurde herausgefunden, dass die Tagfalter von den mehrjährigen Wildpflanzenmischungen profitieren. So wurden sie auf diesen Flächen nicht nur beim Ruhen und Sonnen, sondern auch bei der Nektaraufnahme sowie der Eiablage beobachtet – sie nutzen die Wildpflanzenflächen als Nahrungs- und Bruthabitat. Auf den Referenzflächen (konventioneller Maisanbau) konnten die Tagfalter dagegen fast ausschließlich im Suchflug oder selten beim Sonnen beobachtet werden. Auch die Artenvielfalt der Tagfalter war auf den Wildpflanzenflächen deutlich höher als auf den Maisflächen, nämlich 23 gegenüber 12 erfassten Arten. Im Rahmen weiterer Untersuchungen wurde ebenfalls festgestellt, dass Tagfalter auf den Flächen mit mehrjährigen Wildpflanzenmischungen deutlich häufiger und in einem vielfältigeren Artenspektrum vorkommen als auf Maisackern.

Auch eine weitere wichtige Gruppe von inzwischen bedrohten Bestäubern, die Wildbienen, bevorzugen die Wildpflanzenmischungen gegenüber Mais (22 Individuen aus 6 Arten gegenüber 5 Individuen aus 3 Arten).

Die Gruppe der Wanzen kommt auf den mehrjährigen Wildpflanzenflächen ebenfalls in einer höheren Artenzahl vor als in Mais. Auf den Wildpflanzenflächen wurde u. a. die sehr seltene Erdwanze Geotomus elongatus gefunden, die in der bayerischen Roten Liste als „ausgestorben oder verschollen“ eingestuft ist (Kategorie 0) und in der deutschen Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ (Kategorie 1). Diese positiven Auswirkungen der Wildpflanzenmischungen zur Biomasseproduktion lassen sich auch für andere Artengruppen, wie Laufkäfer oder Heuschrecken fortführen. Von der mehrjährigen Bodenruhe profitieren auch zahlreiche Nicht-Insekten wie Spinnen oder im und am Boden lebende Organismen wie etwa die Regenwürmer, die wiederrum für die Fruchtbarkeit des Bodens von zentraler Bedeutung sind.

Diese Erkenntnisse sind aber längst nicht nur aus ökologischer Sicht interessant, sondern auch aus wirtschaftlicher Perspektive. Denn durch die Stärkung der Insektenvielfalt und -dichte kann einerseits die auch für uns Menschen lebensnotwendige Bestäubungsleistung erhalten und verbessert werden und nebenbei auch die natürliche Schädlingsbekämpfung gestärkt werden. So können die Wildpflanzenmischungen durch den Erhalt der Insektenfauna auch die Ökosystemdienstleistungen für die kommenden Generationen sichern.

Die diesem Text zugrunde liegenden Untersuchungen finden Sie hier.

Wildpflanzenmischungen als Lebensraum für Insekten